Virenprogrammierer: Ihre Geschichte, ihre Communities, ihr Katz- und Mausspiel mit der Antivirus-Industrie

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„Sachen zu sammeln ist etwas, was ich immer gern gemacht habe. Als Kind sammelte ich Briefmarken, jetzt sammle ich Computerviren.“ Luis ist 27, glücklich verheiratet, arbeitet in einem spanischen IT-Unternehmen und widmet sich in seiner Freizeit mit Vorliebe Programmen, um die andere Computernutzer lieber einen großen Bogen machen.

 

Virensammler wie Luis gibt es ein paar wahrscheinlich hunderte. Doch nur wenige nehmen dieses Hobby so ernst wie er, und niemand besitzt eine derart große Sammlung. Wie viele elektronische Schädlinge auf seiner Festplatte schlummern, möchte er nicht sagen. Luis ist in solchen Beziehungen sehr genau. Er weiß, dass viel Unsinn über die Zahl der existierenden Viren geschrieben wird. Er weiß, dass die Hersteller von Antivirus-Software sich gegenseitig mit Zahlen zu überbieten versuchen, die jenseits von gut und böse liegen. Luis möchte diese Diskussion nicht noch weiter anstacheln. Er verrät nur so viel: Lediglich drei oder vier der größten Hersteller von Antivirus-Software besäßen eine größere Sammlung als er. Letztlich geht es ihm aber auch gar nicht um die Größe der Sammlung, sondern um jedes einzelne Exemplar. Ein echter Sammler eben.

Seit fast zehn Jahren ist Luis nun schon unter dem Namen Virusbuster Teil einer vitalen Szene des elektronischen Undergrounds, die sich selbst als vXer bezeichnen. Virenprogrammierer, Virensammler und andere Freunde sich selbst vervielfältigender Programme, die sich in kleinen Gruppen zusammenschließen und über ein eng gesponnenes Netzwerk aus Chaträumen, Websites und elektronischen Magazinen austauschen. Luis ist Mitglied der 29a-Gruppe, gegründet 1996 von einem spanischen Programmierer mit dem Pseudonym Mr. Sandman. 29a gilt sowohl unter vXern als auch unter Mitarbeitern von Antivirus-Softwarefirmen – vXer nennen sie gerne AVler – als eine der innovativsten Gruppen der Szene. Der erste Windows-2000-Virus, der erste Gnutella-Wurm, der erste Plattform-übergreifende Virus, der sowohl Windows als auch Linux infiziert – 29a lotet ständig neue Möglichkeiten für elektronische Schädlinge aus. Ständig zwingt sie damit auch die Programmierer von Antivirus-Software, ihre eigenen Programme zu verfeinern und die ihnen zu Grunde liegenden Konzepte zu überdenken. Ein ewiges Katz- und Mausspiel.

Würmer, Kaninchen und geklonte Elche

Es ist ein Spiel mit Tradition, das Luis und seine Freunde da spielen. Die ersten programmierten Schädlinge tauchen bereits in den Sechzigern auf einigen Großrechnern auf. Sie vervielfältigen sich selbst im Hauptspeicher der Maschinen, klauen damit anderen Nutzern die zu dieser Zeit noch so kostbare Rechenzeit und werden wegen ihres Vermehrungsdrangs Kaninchen genannt.

Anfang der Siebziger experimentiert dann ein gewisser Bob Thomas mit einem Programm, das sich innerhalb eines Netzwerks von Rechner zu Rechner fortbewegen kann. Thomas arbeitet beim ARPANET-Entwickler Beranek and Newman und ist dort aktiv an der Entwicklung der technischen Grundlagen des heutigen Internets beteiligt. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Job mit Zukunft. Einer, den man gerne behalten will. Dummerweise erweist sich sein kleines Experiment – Thomas hat das Programm Creeper getauft – als äußerst erfolgreich. Es pflanzt sich im Tenex-Netzwerk der Firma unkontrolliert von Rechner zu Rechner fort und scheint nicht mehr zu stoppen. Kurzerhand programmiert Thomas ein zweites Programm namens Reeper, das dem Schädling nachjagt und ihn erfolgreich ausschaltet..weiterlesen

Legendäre Gruppe von Virenprogrammierern aufgelöst

 

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