Was brachte die Woche #2? (mit Ibrahim, Electronic Sports League)

Geschichte wird gemacht

Der wöchentliche Rückblick auf gulli.com, mit wechselnden Gesprächspartnern, heute Ibrahim Mazari, Pressesprecher des Betreibers der Electronic Sports League, der größten Liga für Computerspieler in Europa. Die elfte Saison der eSport-Bundesliga endete vor kurzem überaus erfolgreich und brach zahlreiche Rekorde, vom Preisgeld bis zur Mitgliederzahl. Wie geht es 2008 mit dem professionellen Gaming weiter, und wie ändert eSport die Wahrnehmung von Computerspielern in der Öffentlichkeit? Das und einiges mehr im Wochenrückblick.

Um 65.000 ist die Mitgliederzahl der ESL auf über 760.000 aktive Spieler gestiegen, ein Zuwachs von über 65.000 Nutzern. 170.000 Euro Preisgelder gab es in der 11. Saison der ESL Pro Series zu gewinnen, hinzu kamen über 51.000 Euro an Sach- und Geldpreisen in anderen Turnieren. Nach dem Ende der elften Saison beginnt nun auch für die ESL und ihre Aktiven das neue Jahr – unter gemischten Vorzeichen. 2007 war keine einfache Zeit für Gamer – in der öffentlichen Debatte tauchte das Thema Gaming vor allem im Kontext von Gewalt, Jugendkriminalität und Amoklauf auf, trotz aller Erfolge drücken sich die Mainstreammedien gerne darum, das Phänomen eSport wahrzunehmen – so groß und erfolgreich es inzwischen auch ist.

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Bald beginnt nun die zwölfte Saison, und damit gibt es einige gute Gründe für ein Gespräch mit Ibrahim Mazari von der ESL über die Woche, die war und über die Wochen und Monate, die noch kommen.

Korrupt: Ibrahim, wie immer meine erste Frage: Welche Neuigkeit hat dir in der vergangenen Woche am meisten gefallen?

ESL LogoIbrahim, ESL: Besonders gefreut hat es mich zu sehen, wie frisch die Mannschaft von Turtle Entertainment aus dem wohlverdienten Weihnachtsurlaub zurückgekehrt ist. Wir sind ja mittlerweile über 100 Leute. Jetzt stehen noch keine Events an, also haben wir Zeit, in uns zu gehen und zu überlegen, wie wir uns weiter entwickeln können. Ein anderer Grund zur Freude: mein DSL-Anschluss flutscht wieder sehr gut, das hat etwas gelitten über die Feiertage. Nicht gerade berauschend, wenn man gerne online zockt…

Korrupt: Das mit dem DSL kommt mir vage bekannt vor 🙂 Und was hat dich am meisten geärgert, und warum?

Ibrahim, ESL: Abgesehen von der unbedeutenden DSL-Geschichte, die aber bezeichnend ist für den Erfolg von Online-Gaming, ärgert mich derzeit eine Gerichtssache gegen uns, auch wenn das für die allgemeine Öffentlichkeit interessant ist. Ein Clan geht per Einstweilige Verfügung gegen die ESL vor, um einen wegen Cheatens ausgeschlossenen Spieler in die Königsklasse der ESL, der ESL Pro Series hinein zu klagen. Die Sache ist vertagt und entscheidet sich am 22.01, hier gibt es Details. …Aber das ist nicht nur Ärger, schließlich sind wir zuversichtlich, dass Fairness und sauberes Spielen elementar im eSport bleiben müssen, deshalb gibt es gegen Cheater strenge Sanktionen.

Korrupt: Derber Themenschwenk: und warum sind Kopierschutztechniken auf PC-Games sinn- und witzlos und so Geschichten wie SecuROM auf Bioshock oder die unendliche Geschichte um Starforce und Nachfolger einfach ein Ärgernis?

Entspanntes Zocken zwischendurch auf der Intel Friday Night in BochumIbrahim, ESL: Es ist eine Gratwanderung für die Spielehersteller: sie wollen so vielen Gamern wie möglich problemloses Spielen ermöglichen, andererseits wollen sie sich auch schützen. Dass nicht alle Softwarelösungen funktionieren, ist leider ein Problem, das zeigt auch das Digital Rights Management bei Musikfiles, viele Labels rudern hier zurück.

Zu den von dir genannten Kopierschutztechniken bei Bioshock und Starforce kann ich leider nichts sagen, ich habe diese Spiele noch nicht angespielt. Ich bin überzeugt, dass die Publisher die Erfahrungen der Gamer berücksichtigen werden und auf Probleme reagieren. Die ESL macht sehr gute Erfahrungen mit den Publishern, die die eSport-Community intensiv nutzen, um Feedback für Spiele und Entwicklungen zu bekommen. Turtle Entertainment wird in Zukunft enger mit Publishern zusammenarbeiten und schon im Vorfeld von Spieleentwicklung aktiv werden.

Korrupt: Kurz eingeleitet: Ihr habt ne verdammt erfolgreiche Saison hingelegt, liefert positive Schlagzeilen, erreicht eine Zielgruppe, an die sich viele erfolglos anzubiedern versuchen und so weiter. Wenn es letzte Woche (wie in vielen anderen Wochen auch) in den Medien um Spiele ging, dann war da Hilary Clinton, die was gegen Pixelsex in Spielen hat. In Deutschland ist nach Ende der Debatte um Killerspiele Ruhe eingekehrt – aber vollständige Ruhe – das Thema tritt quasi gar nicht mehr in Erscheinung, und wenns keine Ausländer als momentane Sündenböcke gäbe, würde die Keule grade wohl wieder geschwungen. Wie kommt das?

Ibrahim, ESL: Na ja, es tut sich schon was in diesem Land. Betonköpfe gibt es immer, aber die meisten Politiker nutzen diese Keule rein instrumentell, also wider besseres Wissen. Das zieht aber nur so lange, wie ein Großteil der Wahlbevölkerung aus Unkenntnis große Vorurteile und Ängste gegenüber Games und Gamer haben. Wir arbeiten hart daran, das zu ändern. Und unsere Beobachtung bestätigt einen eindeutigen Trend, das zeigen Medienauswertung und Bauchgefühl: es wird nicht nur mehr und öfter über Gaming und eSport berichtet, sondern auch positiver.

Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann zur CeBIT bei der ESL (Links: Mechthild Ross-Luttmann, Sozialministerin Niedersachsen zur CeBIT bei der ESL. Bild: ESL)

Die einzelnen k.o.-Artikel fallen natürlich krass ins Auge, aber wenn man alles im Blick hat, sieht es gut aus. Wir machen auch sehr gute Erfahrungen mit der Politik, denk nur an unsere Schulmeisterschaft, die auf dem Jugendforum NRW stattfand, mit dem Segen des Landes NRW und der Stadt Köln. Wir betreiben Lobbyarbeit und erfahren Zuspruch, quer durch alle Parteien.

Korrupt: Ich nehm dir mal das Lob der Gamerszene ab: wir haben hier eine Sportart, die hohe geistige und körperliche Konzentration verlangt, Teamgeist, strategisches und taktisches Denken trainiert, mit der man auch traditionell schwerer erreichbare Zielgruppen kriegt und die nebenbei noch recht coole Bilder produziert (du sprichst grade mit einem Gerne-Zugucker, wenn andere zocken). Klar – großer Erfolg für euch in der letzten Saison, aber ich frag mich manchmal eher, warum nicht größer?

Ibrahim, ESL: eSport wird wachsen. Du darfst nicht vergessen: vor fünf, sechs Jahren kamen 50 Besucher zu einem Intel Friday Night Game, also einem Bundesligaspiel im eSport. In der letzten Saison hatten wir durchschnittlich 1500 Besucher, bei über 10 Events in ganz Deutschland, in der Spitze sogar mehr als 2000 begeisterte Fans! Es ist also keine Illusion, in ein paar Jahren große Stadthallen gefüllt zu bekommen. Unsere Events haben alles, was eine großartiges Sportduell ausmacht – was spricht dagegen, dass mit Tausenden zu feiern? Derzeit arbeiten wir mit der RWTH Aachen an einem Architekturprojekt, bei dem Studenten eine eSport-Arena für die Zukunft gestalten, so richtig mit Entwürfen und Modellbauten. Eine spannende Sache…

Publikum bei einer Intel Friday Night Game

(Publikum bei einem Spiel auf den Intel Friday Night Games. Bild: ESL)

Korrupt: Ihr wart in zahlreichen Städten präsent, hattet bei den Intel Friday Night Games über 20.00 Zuschauer und allein im Finalwochende nochmal fast viereinhalbtausend. Vor fast einem Jahr hatte ich schon gestichelt, dass sich jetzt ja mal ein paar ansonsten merkbefreite Leute vor Ort ein Bild von Computerspielen und -spielern machen können. Ist da was passiert? Tauchten außer den ohnehin gamebegeisterten Besuchern auch Leute aus Politik, Medien, Jugendarbeit, Schule etc. auf und was waren die Erfahrungen?

Ibrahim, ESL: Ja, das kann ich bestätigen, wir laden alle ein, diese lebendige Jugendkultur kennen zu lernen. Natürlich ist der eSport eine Jugendbewegung, wir verstellen und auch nicht, treten selbstbewusst gegenüber Politikern und anderen Multiplikatoren auf, verleugnen weder Counter-Strike noch die große Community dahinter, im Gegenteil. Wir betonen, dass Counter-Strike als Teamsport ein extrem guter eSport-Titel und in der ESL mit Abstand das wichtigste Spiel ist. Wir nutzen unsere Events, um Politiker und Jugendarbeiter einzuladen. Dort sehen sie, dass es ganz normale junge Leute sind, die zusammenkommen, um Spaß zu haben. Dabei sind sie gesellig, treffen Freunde, suchen die Herausforderung im Wettbewerb und bewegen sich in einem Umfeld, in dem viele Ausbildung und Job finden. Politiker kommen so ins Grübeln und erfassen, dass hier was Positives geschaffen wird, und das mit Counter-Strike. Wie kann es dann böse sein?

Mit Schulen haben wir extrem positive Erfahrungen gemacht im Rahmen unserer Schulmeisterschaft. Das Engagement der Schüler und die Begeisterung, für ihre Schule anzutreten, hat viele Lehrer überrascht. Sie haben intuitiv begriffen, dass durch den eSport die Schüler zusammenkommen und sich sogar mit ihrer Schule identifizieren, gleichzeitig mussten sie ein Team organisieren und motivieren. Die meisten Direktoren waren begeistert und haben das Projekt an ihrer Schule unterstützt. Wir starten bald die zweite Season, Infos gibt es unter schulmeisterschaft.de

Korrupt: Auf eurer Sponsorenliste lese ich Intel, Fujitsu Siemens, Sapphire, Sennheiser, BitDefender, Microsoft, Panasonic… die Preisgelder sind beeindruckend, eure Öffentlichkeitsarbeit gut, aber trotzdem mal unbequemerweise ein Vergleich: der Chaos Computer Club arbeitet praktisch nur ehrenamtlich, hat auch nicht gerade Themen besetzt, die allgemein positiv gesehen werden und schwimmt ncht grade in Geld und Manpower. Der CCC ist wohl nicht mit großem Einfluss gesegnet, aber ist als Experten-, Berater- und Lobbygruppe usw. in diversen Gremien bis hin zu Bundestag und Bundestagsausschüssen präsent.

Intel Sponsoring auf der Bochumer Intel Friday Nights

Habt ihr in Bezug auf die Debatte um Computerspiele, Gewalt, Jugendschutz usw. auch Füße in der einen oder anderen Tür? Wo, und mit welchem Erfolg?

Ibrahim, ESL: Wir schwimmen nicht im Geld, auch wenn die Sponsorenliste beeindruckt 🙂 . Wir sind ein junges Unternehmen in einer sehr jungen Branche, vor einigen Jahren haben die Gründer und Geschäftsführer selber Kisten geschleppt, um die Events aufzubauen, oder sie haben die LKWs gefahren, um alles zu den Locations zu bringen. Dieser Spirit des bodenständigen und direkten Arbeitens prägt heute noch das Unternehmen und ist Teil unseres Erfolges: denn anders als bei vielen untergegangenen New-Economy-Unternehmen schreiben wir seit unseren Anfängen schwarze Zahlen und wachsen solide und organisch.

Dafür arbeiten wir beständig daran, den eSport zu etablieren und weiter zu professionalisieren, vieles haben wir als Pioniere eingeführt, es gab keine Referenzmodelle, weder bei den Events, noch bei Themen wie Vermartung, PR und politischer Arbeit. Wir warten aber nicht darauf, bis uns Leute Beratung anbieten, sondern machen die Sachen selbst. Weil es aber eine junge Branche ist, haben wir noch nicht den Einfluss. Der CCC wirkt ja seit Jahrzehnten und hatte anfangs alles andere als ein gutes Standing, das hat sich erst entwickelt. Wenn ich auf den eSport schaue, dann kann man die Entwicklung der letzten Jahre nur als atemberaubend bezeichnen. Public Affairs, also Öffentlichkeitsarbeit mit Politik, Wissenschaft und Institutionen, machen wir nun seit einem Jahr. In der Zeit hat sich viel bewegt. Bis der eSport eine Stimme ist, die gehört wird, vergeht aber noch Zeit.

Der eSport kann nicht zaubern, selbst die allgemeine Games-Branche hat erst in letzter Zeit mehr Erfolg in der politischen Außendarstellung, obwohl die Branche trotz ihrer relativen Jugend dreißig Jahre als ist. Es dauert einfach das Bewußtsein zu schaffen, wie wichtig es ist, jenseits des direkten Geschäftes tätig zu werden in Jugendarbeit, politischer Aufklärung. Letztlich trägt man dazu bei, dass Vorurteile abgebaut werden, das erleichtert das Business und bringt dann auch für die einzelnen Firmen etwas. Aber um sich schlagkräftig zu organisieren, muss sich die Branche weiter professioalisieren. Wir im eSport orientieren uns am klassischen Sport, versuchen dort die Vorzüge zu adaptieren, ohne die Fehler zu übernehmen 🙂

Der e-sb (eSport Bund) ist ein Schritt in die richtige Richtung, der Branche einen Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft zu geben.

Korrupt: Zukunftsausblick: wie gehts in der 12. Saison weiter? Was sind eure Pläne, Wünsche, Ziele?

Ibrahim, ESL: Zunächst möchte ich keine Prognose wagen. Ich wünsche mir, dass wir wie in der 11. Saison Spitzenspiele zu sehen bekommen, die uns begeistern und mitfiebern lassen. Dann würde es mich freuen, wenn unsere Events den gleichen Zuspruch bekommen wie in den letzten Jahren, wir werden uns immer wieder etwas einfallen lassen, um eSport zu zelebrieren. Unser Ziel ist, auch Menschen zu erreichen, die nicht direkt in der Szene beheimatet sind. Also wird es bei der Berichterstattung auf unserer Seite und bei der Moderation der Events einfacher werden für Newbies, dem Geschehen zu folgen und sich anstecken zu lassen von der Spannung und vom Thrill der sportlichen Begegnung.

Weltweite Übertragung der Warcraft Finals

(Weltweite Übertragung der Warcraft Finals. Bild: ESL)

Besonders am Herzen für die kommende Saison liegt mir ESL TV. Die 12. Saison der ESL Pro Series wird die erste komplette Saison sein, die ESL TV seit dem Relaunch begleiten wird. Das Team um den Geschäftsführer Sven Hoffmann beweist ungemein viel Einsatz und Engagement, um eSport für Web-TV aufzubereiten und ein hochwertiges Programm zu liefern, das authentisch und raw, nah an der eSport-Szene ist und dennoch alle Gaming-Interessierte begeistern will. Schaut…..unbedingt weiterlesen

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